An den Wänden herum saßen und standen viele ganz verschiedene Tiere, die miteinander redeten und lachten. Rosa sah einen Pfau mit einem riesigen Schweif aus schillernden Federn, einen Paradiesvogel mit buntem Kopfputz, ein Schaf, das seine Wolle hellblau gefärbt hatte, ein Pudelhündchen mit einer riesigen Sonnenbrille, ja, sogar ein Elefant war dabei, mit bunter Ölkreide wunderbar bemalt, wie man es in Indien oft findet. Goldenen, glänzend goldenen Lidschatten hatte er!

Das Huhn Rosa rieb sich die Augen vor Verwunderung. Ganz leicht wurde ihr ums Herz. Richtig wohl fühlte sie sich in dieser bunten Gesellschaft, die so fröhlich und freundlich schien. Wie im Himmel, dachte Rosa. Sie hob langsam den Kopf Schon traute es sich, frei umherzublicken.

Da sah sie das Schönste, den König auf seinem Thron, in der Mitte des Saales.

Ganz hell leuchtete seine Gestalt. Er hatte das Gesicht eines edlen Löwen, aber als Rosa genauer hinsah, hatte der König seinen Kopf ein wenig gewendet, und da sah er wie ein kühner Adler aus. Rosa wagte sich einen Schritt näher, und da veränderte sich das Bild von neuem. jetzt sah der König aus wie eine freundliche Wasserbüffelfrau. Mit dem Blickwinkel des Betrachters veränderte sich der König, und doch blieb er immer derselbe, aus welcher Richtung man ihn auch ansah. Er lächelte Rosa an und winkte sie zu sich heran. Rosa wollte vor dem Thron niederknien, aber der König zog sie am Flügel in die Höhe. In diesem Moment musste Rosa ein Ei legen. Ganz plötzlich kam es über sie, und schon lag vor dem Thron des Königs ein leuchtend rosa Ei. Schnell setzte sich Rosa darauf, um es zu verbergen. Aber der König schob sie sanft beiseite und hob das Ei auf Er betrachtete es aufmerksam, und alle im Saal richteten ihre Blicke auf den König. »Hör zu, Rosa«, sprach er, ernst und freundlich, »was ich hier in der Hand halte, ist das tollste Ei, das ich je gesehen habe. Es ist ein schönes Ei. Und es ist dein Ei. Du bist du, Rosa, und dein Ei ist dein Ei. Sag >ich<, Rosa, und sag >mein Ei<. Und sei stolz, dass du rosa Eier legst. « Ganz still war es im Saal geworden. Ein großes Glücksgefühl zog in Rosas Herz ein. »Sie mögen mich, wie ich bin«, dachte sie. Ein Lächeln legte sich auf Rosas Antlitz, sodass sie mit einem Mal ganz verändert aussah; beinahe schön wurde sie mit ihren freundlichen braunen Augen und ihrem feinen Schnabel. »Ich bin Rosa«, sagte sie, »ich bin Rosa. « Und nun rief sie es glücklich in den Saal hinein: »Ich bin Rosa. « Und alle Tiere im Saal nickten mit den Köpfen und klatschten Beifall.

»Heute«, fuhr der König fort, »heute wirst du mit uns feiern, essen, trinken und fröhlich sein. Aber morgen wirst du zurückkehren müssen auf den Hof, wo du geboren bist. Merk dir: Du musst dich wehren! Sie werden dich anerkennen, und du wirst sogar Freunde finden, die dich lieb haben, aber du musst zu deinen rosa Eiern stehen. « Und der König nahm Rosa in die Arme und drückt sie ganz fest an sich.

Da wusste es Rosa mit einem Mal, und nie hat sie's vergessen; und weil sie nicht gestorben ist, weiß sie es noch heute: »Ich bin Rosa, und ich will Rosa sein. «



- Ende –
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*Coaching, Supervision, Counselling. Udo Alberts-Fleige. Tübingen (Stuttgart) Ich arbeite zusammen mit Bettina Friedrich-Müller, Entspannungstrainerin, Neurobiologin (Tübingen-Bühl), Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Stressbewältigung, Klientenzentrierte Beratung